Freitag, 13. Oktober 2017

unterwegs zum ich

Mit den ersten Spielversuchen haben wir uns zu den unterschiedlichen Figuren des "Goldnen Topfes" vorgetastet - bei der nächsten Sitzung werden wir mit Hilfe von Giselas Schminkkunst die Übergänge zwischen den Geschlechtern ( Veronika - Anselmus) und den Altersgruppen (Verwandlung von 16-17jährigen Mädchen in Konrektoren und Äpfelweiber) sowie zwischen menschlichen Gesichtern und fantastischen Tiergestalten (die Schlangenfrau) ausprobieren.


(aufgenommen im E.T.A.Hoffmann-Haus in Bamberg)

Am letzten Donnerstag habe ich auch mit der hohen Schlossbehörde die Aufführungstermine unserer Projekte im Schloss Neuenbürg festgelegt:
15. und 22. Juli 2018 "Der goldne Topf" (Kooperation des Theaters im Schloss mit dem Theaterkurs
                                                                   des Gymnasiums Neuenbürg)
22./23. September 2018 "Der Drache" von Jewgeni Schwarz (Theater im Schloss)
Für den "Drachen" suchen wir noch eine Darstellerin der interessante Nebenrolle der "besten Freundin" des Opfers Elsa (Proben am Wochenende, ca. einmal im Monat nach Vereinbarung)... Bitte auf unserer Homepage melden (www.theater-im-schloss.de)!

Freitag, 6. Oktober 2017

"an dem goldnen Topf genippt"

Gestern haben die Proben zum neuen Theaterprojekt mit dem Theaterkurs des Gymnasiums Neuenbürg begonnen - ein verheißungsvoller Anfang mit 14 Teilnehmerinnen, die sich auf die Bilder des modernen Märchens einließen und mutig die gescheiten oder seltsamen Regieideeen ausprobierten (Übungen zu weiblichem, männlichem, greisenhaftem Gehen, Ausprobieren von Masken und Kostümteilen, Annäherungsversuche zwischen den Geschlechtern und Schlangen). Was noch zu vermitteln ist: einerseits weiter die Bereitschaft zeigen, sich auf eigene und fremde Spielvorschläge einzulassen (im Vertrauen auf die unbeschränkte Solidarität aller Mitwirkenden) und den Mut zu haben, immer wieder zu scheitern ("scheitern, immer wieder scheitern, aber immer auf höherem Niveau scheitern..."); andererseits das Recht wahrzunehmen, sich Vorschlägen, die einem zuwider laufen, zu verweigern (und ihnen eigene Ideen entgegenzustellen und auszuprobieren)! Ich freue mich jedenfalls auf die nächste Probe, wenn kurze Fragmente aus den beiden ersten "Vigilien" ernsthaft (d.h. ohne vom Blatt abzulesen...) geprobt werden können. Dabei können und sollen die Spieler wie die Zuschauer unterschiedliche Spielideen einbringen.
("und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...")



Donnerstag, 14. Juli 2016

Die seltsamen Leiden eines Theaterdirektors

Dieser Streitschrift E.T.A. Hoffmanns, in der er die Theaterpraxis seiner Zeit beklagt, konnte ich in den letzten Tagen neue Aspekte hinzufügen. Am 9. Juli verließ uns wegen privater Ver- und Entwicklungen der Sekretarius des Archivars Lindhorst - also musste ich für die folgende Gesamtprobe das ganze Stück umschreiben. Am 12. Juli kam uns aus privaten Gründen der gute Mensch abhanden, der am 13. Juli die sperrigen Bühnenelemente zum Schloss transportieren sollte - also musste die Hinterbühne durch den Verzicht auf die Projektions-Stellwände grundlegend neu konzipiert werden...
Dennoch werde ich nicht die Schlusspointe des Hoffmann'schen Textes nachvollziehen - der Theaterdirektor hat sich dort entschieden, in Zukunft als Puppenspieler aufzutreten -  sondern mich auf den Weg zu tibetanischer Gelassenheit machen: "Om mani padme hum" - "O du Juwel in der Lotosblüte" - auch wenn in meinem kleinen Teich die heimische Mandala-Blüte der Seerose die exotische Lotosblüte ersetzt.




Freitag, 8. Juli 2016

die versuchung

Am Mittwoch führte ich ein ermutigendes Gespräch mit dem Leiter des Römermuseums Remchingen über eine zukünftige Kooperation - im großen Glaskubus des Museums wird eine Art "Amphitheater" eingerichtet mit einer Bühne und Platz für 140 Zuschauer. Für 2017 planen wir dort, die Prinzessin Brambilla aufzuführen (evtl. mit Begleitveranstaltung 'Masken' (in der Antike und im römischen Karneval). Sehr interessiert zeigte sich Herr Klotz auch an dem von mir lang gehegten Projekt, den phantasmagorischen Roman "Die Versuchung des Hl. Antonius" von Gustave Flaubert auf die Bühne zu bringen - abgesehen von aller Aktualität (Bilderflut, Bildersturm) passe es hervorragend in das besondere Profil des Museums (Übergang von der Antike zum frrühen Christentum)...


Am Wochenende aber geht es in die Endphase der Proben zum "Goldnen Topf" - "sköne oke, sköne oke" (Illustration von Odilon Redon zu Flauberts 'Versuchung')

Donnerstag, 30. Juni 2016

konrektor paulmann lädt ein

Am kommenden Sonntag lädt Konrektor Paulmann den hölzernen Registrator Heerbrand und den Studiosus Anselmus (dem doch in der Welt nicht zu helfen ist) zu sich in die gute Stube (Theaterraum des Gymnasiums) ein, wo uns das im wörtlichen Sinn bezaubernde Töchterchen Veronika aufwarten wird. Wird der Konrektor dabei sein Korrekturbuch bei Seite legen, das dem alles Befremdliche ängstlich Ausgrenzenden Halt gibt? Wird er wieder seinen pädagogischen Zeigefinger belehrend, drohend, bohrend auf seine Gäste richten? Wie weit wird der Ordnungshüter gehen, wenn es gilt, seine geliebte Tochter an den Mann zu bringen? Was ist eigentlich mit Frau Paulmann geschehen, von der mit keiner Silbe in diesem Haushalt gesprochen wird? Ist sie im Kindbett gestorben? Oder hat sie es bei diesem seelisch vertrockneten  Mann nicht mehr ausgehalten, dem (zu seinem eigenen Erschrecken) der schöpferische Geist ("veni, creator spiritus!") nur noch als Spirituose zugänglich ist? Wird er nach der gemütlichen Kaffeestunde wieder am Montag als Wutbürger zum Abendspaziergang vor die Dresdner Semperoper ziehen und dort seinen im Alltag unterdrückten Emotionen freien Lauf lassen (was er sonst nur gegenüber seinen Schülern tun darf)? Oder gar als gewaltbereiter Fan zum Halbfinale der Europameisterschaft aufbrechen?


Der Darsteller wird jedenfalls bei der Gestaltung der Rolle seine eigenen Studiendirektors- und Vater-Erfahrungen einbringen und all das einbeziehen, was er "wahrhaft geschaut" hat.

Freitag, 24. Juni 2016

wirklichkeitsmärchen

Fest in der gesellschaftlichen Wirklichkeit des zeitgenössischen Dresden verankert, gestaltet das Märchen Hoffmanns unsere innere Wirklichkeit - weshalb "Der goldne Topf" eine Fundgrube für die tiefenpsychologische Deutung eines Kunstwerks ist: Die Schlange Serpentina ist die Verkörperung der "Anima", des weiblich gepolten Unbewussten im Mann, das dieser auf eine reale Person der äußeren Wirklichkeit (Veronika aus der Pirnaer Vorstadt) projiziert. Diese wiederum macht sch die ihr dadurch verliehene magische Anziehungskraft zunutze, indem sie den Geliebten für ihre Interessen instrumentalisiert (Hofrätin werden) - ein alltäglicher Vorgang!
Wie aber ist das Ende des Märchens- das Zerbrechen des Kristallgefängnisses - zu verstehen?`Als Sturz in den end-gültigen Wahn-Sinn einer nur noch inneren Welt? Als Selbstmord des Dichters (Sturz von der Brücke in die Elbe) oder als seine Apotheose (durch die Verbindung mit seinem schöpferischen weiblichen Unbewussten - der biblischen Sophia - wird der tollpatschige junge Mann des Märchenbeginns am Ende zum Dichter)? Der Autor jedenfalls, der selbst in sein Märchen eintritt, bleibt dem schmerzhaften, aber produktiven Leben in beiden Welten verhaftet - in einer Zerrissenheit, die durch den Humor (und den Punsch) erträglich wird.




Donnerstag, 16. Juni 2016

theaterprobe

Zum Beginn unserer Endproben für den "Goldnen Topf" möchte ich uns zur Ermutigung die Erinnerung Jean-Louis Barraults an seine Generalprobe für "Christoph Kolumbus" von Paul Claudel zitieren: "Von morgens bis zum späten Abend hielt ich die Truppe in Atem. Die Generalprobe dauerte bis in die tiefe Nacht. Um vier Uhr früh waren wir noch nicht fertig. Meine Kollegen waren am Ende ihrer Kräfte und Nerven. Das ist der Moment, wo man sich trotz aller Peitschenschläge schlafen legt. Manche sah ich erschöpft auf den Versatzstücken sitzen, andere hielten sich stehend an den Requisiten fest, wie schläfrige Wachsoldaten an ihrem Gewehr. Boulez (der Dirigent der Bühnenmusik) gab lautstarke "Verdammt noch mal" von sich - ich unterbrach die Probe und wir gingen ins Hotel zurück. Ich fiel aufs Bett und konnte nicht einschlafen."Unmöglich, dass dir keine Lösung bis heute Abend findest", ging es mir im Kopf herum...Und noch einmal ließ ich die ganze Aufführung wie einen schönen Traum an mir vorbeiziehen. Schlief ich? War ich wach? Das einzige, was ich weiß, ist, dass mir morgens um sechs die Lösung einfiel. Wie eine Sprungfeder schnellte ich hoch in meinem Bett. "Los, gehen wir proben!", rief ich. Aber das ganze Hotel lag in tiefem Schlaf. "Wie kommen diese Idioten dazu zu schlafen, wenn in ein paar Stunden das Theater voll ist!" Durch diesen albernen Ausspruch kam ich zu mir und versetzte mich in beste Laune...
Die Aufführung fand statt. Die Truppe machte einen Sturmangriff und Claudel feierte seinen Triumph." Ein Hinweis für alle, die des Französischen mächtig sind: Auf youtube gibt es einen sechszehnminütigen Film über Barraults Inszenierung des Romans "Die Versuchung des Hl. Antonius" von Flaubert - ein Projekt, mit dem ich mich im Hinblick auf eine Kooporation mit dem Römermuseum Remchingen/Pforzheim zur Zeit auseinandersetze (Maurice Béjart, la tentation de St. Antoine)


Unser jugendlicher Held nach der nächsten Probe (frei nach: Jean-Louis Barrault, "Erinnerungen für die Zukunft")